Wie ein Weihnachtsmotiv mit Künstlicher Intelligenz entsteht

Ho, ho, ho! Der Weihnachtsmann hat es eilig, seine vier Rentiere sind schon angespannt und bei einer kleinen Verschnaufpause im verschneiten Finnland macht er sich gleich auf den Weg, die Geschenke in alle Welt zu bringen. Doch da taucht jemand mit einer Kamera auf, um den Weihnachtsmann endlich einmal live vor die Linse zu bekommen! Schon sind die Rentiere abgelenkt und befassen sich neugierig mit dem Fotoapparat, während die Dämmerung einsetzt und es beginnt, zu schneien.

Diese Szene haben wir auf unserer diesjährigen Weihnachtskarte gestaltet und wollen Ihnen hier verraten, wie und womit wir dies erstellt haben.

Generative Künstliche Intelligenz

Einige haben es vielleicht schon geahnt: das Motiv ist mit einer Künstlichen Intelligenz entstanden. Genauer gesagt, mit einer Generativen KI. Darunter sind alle Anwendungen zu verstehen, die Inhalte wie z.B. Bilder, Musik oder Videos erzeugen. Das macht eine KI natürlich nicht einfach so, denn es braucht einen recht langen Befehl – Prompt genannt – bis das Bild fertig ist.

Mit einem Prompt wie „Male mir ein schönes Bild“ kommen wir natürlich nicht weiter. Das Ergebnis wäre eventuell ein Bildrahmen, der eine Landschaft zeigt und an einer Wand hängt. Eine KI braucht schon sehr konkrete Angaben, was als Bildmotiv erzeugt werden soll – aus welchem Blickwinkel, zu welcher Uhrzeit oder in welcher Stilistik. Also fangen wir mit „Weihnachtsmann, Rentiere, Schlitten, Geschenke, Schnee“ an.

Bei unserem Motiv haben wir Adobes „Firefly 2“ verwendet. Diese KI ist dazu da, eine Vielzahl an Bildmotiven und Variationen zu erstellen. Ähnlich wie auch andere Werkzeuge wie DALL-E oder Midjourney werden aus einem Prompt bis zu vier Varianten erzeugt, aus denen ein Favorit gekürt werden kann. Häufig kommt aber ziemlicher Mist heraus, wie wir gleich sehen werden.

Wie sieht ein Weihnachtsmann aus? Wie viele Beine hat ein Rentier? Und wie sieht sein Geweih aus?

Zum einen weiß die KI nicht, was gut ist, und was nicht. Auch gibt es keine logische Konsequenz, z.B. die dargestellte Anzahl von Beinen bei Rentieren aus der jeweiligen Perspektive. Und wer ist der Weihnachtsmann? Ein Mann? Eine Frau? Oder kann auch ein Rentier ein Weihnachtsmann sein?

Aus den angelernten Daten kann eine KI immer nur endlose Variationen erstellen. Wir haben ca. 60 Motive generiert, bis wir auf wenige Favoriten gekommen sind. Diese Favoriten haben wir dann schrittweise verfeinert. Dabei war uns wichtig, dass ein Weihnachtsmann zu sehen ist, sein Schlitten war weniger wichtig. Dafür sollten die Rentiere möglichst real erscheinen – und ein Rentier sollte sozusagen mit seiner Nase direkt an der Kamera schnüffeln.

Die Lichtstimmung ist dabei schnell erzeugt: „spärliches Licht“, „Blaue Stunde“, Sonnenuntergang“ oder ähnliche Begriffe geben der KI den Hinweis, wie die Szenerie zu beleuchten ist. So kann auch ein Gegenlicht (Laterne, Stern, Sonne etc.) eine Reflektion erzeugen.

Finale Kandidaten ohne Anschnitt

Die Kamera-Optik mit großer Unschärfe haben wir schnell festgelegt, als wir gesehen haben, was die KI aus einem Weihnachtsmann so machen kann. Die Gesichter waren weitestgehend unmenschlich, Fratzen-haft und deuteten eher darauf hin, dass sich der Weihnachtsmann dem ausreichenden Genuss von Glühwein hingegeben hat.

Etwas gewundert hat uns, dass es nicht möglich war, die konkrete Anzahl an Rentieren (4) vorzugeben, von denen sich ein Rentier der Kamera nähert und somit am rechten Rand nur noch teilweise zu sehen ist. Jegliche Prompts in diese Richtung schlugen fehl. Also mussten wir uns bis hierhin mit einer Gruppe von Rentieren, einem Weihnachtsmann und einer hübschen Schneelandschaft im Abendlicht begnügen.

Generative Füllung für ein Rentier

Um nun dennoch am rechten Bildrand ein Rentier einzufügen, haben wir den Modus gewechselt und konnten die Generative Füllung anwenden. Dabei werden im bestehenden Motiv – es darf auch ein hochgeladenes Bild sein – Bildbereiche markiert, in denen eine Füllung erzeugt werden soll. Hier wollten wir ja ein weiteres Rentier haben! Doch wie kann diese Markierung aussehen?

Anhand der konkreten Umrissform eines Kopfes eines anderen Rentieres haben wir diesen Bereich maskiert – also für die Füllung gekennzeichnet. Dabei war es wichtig, nicht nur die richtige Größe des linken Ohres zu treffen sondern auch die Ansätze des Geweihs anzudeuten. Nur so konnte dann die KI diese Umrissform mit einem weiteren Rentier-Kopf füllen.

Auch die Schärfe hat funktioniert – die Nase des Rentieres ist sehr unscharf, erst auf Höhe der Ohren und des Geweihs beginnt der Schärfebereich. Letztlich ist die Tiefenschärfe nicht perfekt getroffen, sie fällt aber auch nicht unangenehm auf.

Die finale Fassung – von der zuvor auch wiederum mehrere Varianten ausprobiert wurden – konnten wir nun herunterladen. Dabei weist Adobe als Anbieter ausdrücklich darauf hin, dass die Generative KI bei der Erstellung behilflich war.

Spontaner Schnappschuss mittels Layout

Wenn wir uns das Motiv so anschauen, dann sieht es noch etwas neutral aus. Der Horizont verläuft in der Regel gerade, die Motive sind fein aufgereiht, die Szene lässt etwas Spontaneität vermissen. Daher haben wir das Bild im Layout gedreht, um der Szene Dynamik zu verleihen – nach all der Arbeit und den zahlreichen Varianten sollte das Ergebnis immerhin wie ein Schnappschuss wirken.

Zudem brauchte die Szene nun noch etwas Atmosphäre, die durch eine große Vignette erreicht wird. Das ist eine klassische Fototechnik und beruht auf den Gesetzen der Optik. Hier kommt die Vignette in freier Form zur Anwendung, um die Ränder des Bildes etwas abzudunkeln und dafür die Mitte des Bildes zu betonen. All diese Schritte konnten wir mit InDesign erledigen.

Voilà! Nun waren wir endlich zufrieden. Hinzu kommt noch etwas Schnee-Gestöber – hierfür haben wir im Druck die Lackform verwendet, damit also die Schneeflocken leicht über dem Motiv glitzern. Wer uns auf den Social Media Kanälen folgt, kann sich zur Weihnachtszeit ein eigenes Bild machen: hier haben wir das Motiv mithilfe von digitalen Schneeflocken zum Leben erweckt. Dahinter steht eine Partikelanimation mittels Adobe AfterEffects.

Ich hoffe, Sie konnten damit einen kleinen Einblick in unsere Arbeit an dieser Stelle gewinnen und welche Designprozesse nötig sind, ein Medium zu schaffen.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest!
Ihr Team von Cogneus Design