Internationale Erasmus+-Projektwoche an der Universität Tallinn untersucht virtuelles Kulturerbe

Vom 1. bis 5. Dezember 2025 wurde die Fakultät für Digitale Technologien der Universität Tallinn zum Zentrum internationaler Zusammenarbeit, als sie die Projektwoche „Interaktive Umgebungen für die Virtualisierung des kulturellen Erbes” veranstaltete. Das intensive Programm wurde im Rahmen des Erasmus+ Blended Intensive Program (BIP) organisiert und brachte Studierende und Dozenten aus Deutschland, Zypern und Estland zusammen, um innovative Ansätze für das digitale kulturelle Erbe zu erforschen.

Zu den Teilnehmern gehörten Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter der Technischen Universität Brandenburg (Deutschland), der Cyprus University of Technology und der Universität Tallinn. Die Universität Tallinn wurde durch Dozent Mati Mõttus aus dem Bereich Mensch-Computer-Interaktion (HCI) sowie Masterstudierende des Studiengangs Mensch-Computer-Interaktion vertreten. Im Laufe der Woche arbeiteten interdisziplinäre und internationale Teams eng zusammen und kombinierten dabei technische, gestalterische und benutzererfahrungsbezogene Perspektiven.

Die Projektwoche in Tallinn war die dritte und letzte Vor-Ort-Phase des Blended Intensive Program. Das Programm begann im Oktober mit einer Einführungswoche an der Technischen Universität Brandenburg, in der die Teilnehmer in Metaverse-Konzepte, Virtual- und Augmented-Reality-Technologien sowie die Grundlagen der Gestaltung interaktiver Umgebungen eingeführt wurden. Es folgte eine Online-Studienphase, in der sich die Studierenden mit den theoretischen Grundlagen und praktischen Methoden des Affective Computing und der Erfassung physiologischer Daten befassten. Aufbauend auf diesen früheren Phasen legte die Projektwoche in Tallinn einen starken Schwerpunkt auf nutzerzentriertes Design, Interaktionslogik und die Bewertung der Nutzererfahrung in realen Umgebungen.

Während der gesamten Woche arbeiteten die Studententeams in den Labors der Universität Tallinn, wo sie Zugang zu fortschrittlichen Forschungswerkzeugen und -technologien hatten. Mithilfe von Eye-Tracking-Systemen, Gesichtsausdrucksanalysen, elektrodermalen Aktivitätssensoren und Herzfrequenzmessungen testeten und verfeinerten die Teams ihre interaktiven Prototypen. Anhand der gesammelten Daten konnten die Studierenden die Benutzerfreundlichkeit bewerten, das Nutzerengagement messen und besser verstehen, wie Menschen digitale Umgebungen wahrnehmen und mit ihnen interagieren.

Alle Projektkonzepte waren durch ein gemeinsames Thema verbunden: die Digitalisierung des kulturellen Erbes und die Schaffung immersiver virtueller Kulturerlebnisse. Die Studierenden untersuchten, wie digitale Umgebungen nicht nur zur Präsentation kultureller Inhalte gestaltet werden können, sondern auch emotionale Reaktionen hervorrufen, das Verständnis verbessern und eine sinnvolle Auseinandersetzung mit Erzählungen zum kulturellen Erbe fördern können.

Das akademische Programm wurde von Professorin Julia Schnitzer und dem Lehrbeauftragten Christoph Luchs von der Technischen Universität Brandenburg, Professor Mati Mõttus von der Fakultät für Digitale Technologien der Universität Tallinn und Professor Evangelos Karapanos von der Technischen Universität Zypern (CTU) geleitet. Mit ihrem gemeinsamen Fachwissen unterstützten sie die Studierenden während der gesamten Entwurfs-, Test- und Evaluierungsphase der Projekte.

Neben der akademischen Arbeit umfasste das Programm auch eine kulturelle und erfahrungsorientierte Komponente. Die Teilnehmer besuchten Museen in Tallinn, erkundeten die historische Altstadt und das Hafenviertel der Stadt und nahmen an einem Ausflug in den Lahemaa-Nationalpark teil. Diese Aktivitäten boten wertvolle Gelegenheiten, kulturelle Umgebungen aus der Perspektive der Benutzererfahrung zu beobachten und zu reflektieren, was die Projektarbeit weiter bereicherte.

Die Projektwoche endete mit Präsentationen der Studierenden, in denen jedes Team seine Ergebnisse vorstellte und über den Entwurfsprozess und die Bewertungsergebnisse reflektierte. Konstruktives Feedback von Dozenten und Kommilitonen regte zu kritischen Diskussionen an und hob die Stärken und das Zukunftspotenzial der entwickelten Konzepte hervor.

Das Erasmus+ Blended Intensive Program Interactive Environments for Virtualization of Cultural Heritage wird im Sommer 2026 fortgesetzt und baut auf den Erkenntnissen und Kooperationen auf, die während der Projektwoche in Tallinn gewonnen wurden.

https://www.tlu.ee/en/dt/news/students-germany-and-cyprus-joined-tlu-international-project-week